Geschichte des Campus-Fichtenhain

Der heutige Campus Fichtenhain wurde um 1905 als erste „Rheinische Provinzial-Fürsorgeerziehungsanstalt“ für schwer erziehbare Knaben konzipiert.

Anfangs des letzten Jahrhunderts wurden Mädchen und Jungen getrennt von einander erzogen – entsprechend entstand parallel zur Krefelder Einrichtung in Mönchengladbach im Nordpark eine Erziehungsanstalt für die schwierigeren Fälle unter den Mädchen. Architektonisch und städtebaulich waren das für damalige Verhältnisse äußerst fortschrittliche Anlagen, die durch die enge Verbindung von Wohnen und Arbeiten gekennzeichnet waren.

In Krefeld gliederte sich die Anstalt in drei Teile, die eigentliche Erziehungsanstalt, den Hauptgutshof und das Vorwerk Höttgeshof. Erstgenannte bestand wiederum aus dem Verwaltungsgebäude, den Zöglingshäusern A bis D, einer Kochküche mit Festsaal, einer Waschküche mit Badeeinrichtungen, einem Werkstättengebäude, einem Kessel- und Maschinenhaus, einem Pförtner-Wohnhaus sowie einem Lazarett und mehreren Schuppen. Bei dem Waschküchengebäude handelte es sich aber nicht nur um eine Art Waschsalon aus der Kaiserzeit, sondern dazu gehörte auch ein kleines Schwimmbad.

Das großzügige und in ihren Einzelgebäuden bis heute weitgehend noch in der Grundkonzeption erhaltene Areal macht den ursprünglich sozialpflegerischen Ansatz auf einen Blick deutlich: Meist zweigeschossige Backsteinbauten sind dabei um eine zentrale Grünfläche gruppiert. Die Gebäude zeigen die Inspiration der damaligen Baumeister: Detailbegeistert harmonieren variationsreiche Dachlandschaften und Fassaden mit diversen Fensterformaten. So begeistert die Anlage bis heute mit einem ungemein großzügigen und abwechslungsreichen Bild.

In den 30er Jahren wurde die Einrichtung vorübergehend umgewidmet und zunächst als Schulungslager der SA genutzt und in den Jahren kurz vor und während des 2. Weltkrieges zum Standort von Wehrmachtsstäben bzw. der Heeresgruppe B. 1997 erwarb die Grundstücksgesellschaft der Stadt Krefeld mbH & Co. KG, damals noch eine Tochtergesellschaft der hiesigen Wirtschaftsförderungsgesellschaft, das gesamte Areal vom Landschaftsverband Rheinland, mit dem langfristigen Ziel, es in einem Gewerbepark für Büronutzung umzufunktionieren.

Woher stammt der Name "Fichtenhain"?

Um 1820 war das Gebiet des heutigen Krefeld Fichtenhain Heideland und stand den Einwohnern von Fischeln zu allgemeinen Nutzung zur Verfügung. Genutzt wurde die Fläche als Weideland oder zur Materialgewinnung für das Besenbinden. Das Gebiet wurde Stück für Stück verkauft und die neuen Eigentümer begannen die Flächen zu kultivieren, indem sie Fichtensamen einsäten. Auch die Gemeinde folgte diesem Beispiel und säte auf einem Teil der Heide ebenfalls Fichten. Aus der Heide entstand so über mehrere Jahrzehnte hinweg ein Fichtenwald. Reste dieser Bepflanzung bestanden noch bis Ende des 19. Jahrhunderts. So wurde der errichtete Gutshof Ecke Anrather/Oberschlesienstraße „Haus Fichtenhain“ genannt. Der Name ist dem Gebiet bis heute erhalten geblieben. (Heinz Josef Hüttens (2005): Fichtenhain, erschienen in: Verein für Heimatkunde Krefeld (Hrsg.): die Heimat, Krefelder Jahrbuch, Sonderdruck, Jg. 76, S. 135-139)

Die Historie

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